Der von Vetropack gelaserte Datra-Matrix-Code auf einer Wasserflasche von Coca-Cola. Fotocredit: CCEP DE
Serialisierung
Wasserflaschen mit Reisepass
Coca-Cola hat in zwei deutschen Werken damit begonnen, Wasser in Mehrwegflaschen mit digitaler Identität abzufüllen. Sie stammen von Vetropack. Erich Jaquemar, Group Key Account Manager des Unternehmens, erklärt das Warum und das Wie.
Herr Jaquemar, wie ist Vetropack auf die Idee gekommen, Glasflaschen zu serialisieren?
Das war zunächst ein Instrument für die interne Qualitätskontrolle unserer thermisch gehärteten Glasflaschen. Falls es Fehler gibt, wollen wir lückenlos nachvollziehen können, wo er lag. Die digitale Identität für jede einzelne Flasche orientiert sich an der Cetie-Norm, einer Qualitätsnorm in der Glasindustrie. Er enthält Informationen zu vier Komponenten: zum Werk, zur Maschine, zur Station, dazu einen Zeitstempel. Sollte eine Flasche einen Fehler aufweisen, können wir genau feststellen, wo und wann er geschah.
Sie lasern Data-Matrix-Codes in die Flaschenhälse. Wie funktioniert das?
Wir verwenden das Lasergerät des Herstellers, der auch die Glasmaschine herstellt. Der Laser stellt sich so ein, dass er jede Flasche einzeln bearbeitet. Das passiert am heissen Ende der Produktion, wenn die Flaschen noch 400 bis 500 Grad aufweisen. Wir hatten die Codes zunächst am kalten Ende der Produktion aufgebracht, aber bei kalten Flaschen sind die gelaserten Punkte teilweise nicht so exakt graviert, was zu niedrigen Leseraten von 70 bis 80 Prozent führt. Mit Aufbringung am heissen Ende funktioniert das einwandfrei.
Wenn das eine interne Sache war: Wie sind Sie damit zu Coca-Cola gekommen?
Wir arbeiten schon sehr lange mit Coca-Cola und den unterschiedlichsten Abfüllern zusammen und haben auch schon immer Neues für sie entwickelt. Nachdem Coca-Cola im Jahr 2006 «Apollinaris» übernommen hatte, bekamen wir zum Beispiel den Auftrag, eine mehrwegtaugliche organische Farbe für das per Siebdruck aufgebrachte rote Logo zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt begann die intensivere Zusammenarbeit. Und so kam auch der Auftrag, die gelaserten Data-Matrix-Codes auf deren neu entwickelte Mehrwegflaschen aus nicht gehärtetem Glas aufzubringen.
Ein individueller Code auf jeder Flasche – um wieviel teurer macht das die Flaschenproduktion?
Die zusätzlichen Maschinen bedeuten schon Investitionen in guter sechsstelliger Höhe, und das auf jeder Linie. Die Lasercodierungsmaschinen müssen zudem kontinuierlich laufen, denn für die Verfolgbarkeit von Mehrwegflaschen muss der Code auf ausnahmslos jeder Flasche sein. Das bedeutet, dass die ganze Produktion gestoppt werden muss, sobald der Laser nicht korrekt arbeitet. Dazu kommt die Lesbarkeitskontrolle. Alles in allem kostet die Produktion pro Flasche einen einstelligen Prozentanteil mehr.
Das klingt vertretbar.
Ja. Die laufende Produktion verlangsamt sich nicht, da entstehen keine Mehrkosten. Die grössten Kostenfaktoren sind die Investitionen in die Maschinen und ein möglicher Stillstand, wenn der Laser nicht ordnungsgemäss arbeiten sollte.
Wie oft passiert das?
Das kommt ab und zu vor, die Reparatur dauert kann einige Stunden dauern. Aber: Die Zahl der Ausfälle sinkt, und unsere Leute werden routinierter im Umgang mit den Maschinen. Wie das so ist mit neuer Technik, das läuft sich ein.
Lohnt sich denn der Aufwand?
Es bringt unser Qualitätsmanagement langfristig voran. Wir können fehlerhafte Flaschen gezielt ausschleusen. Unsere gehärteten Flaschen versehen wir bereits durchgehend mit gelaserten Data-Matrix-Codes. Für nicht gehärtete Flaschen – wie die für Coca-Cola – ist unser Ziel, die Codierung mindestens in je einer Linie für Weiss-, Braun- und Grünglas anzubieten.
Sie erwähnten die Lesbarkeits-kontrolle. Wie gut lassen sich Codes auf durchsichtigen Flaschen auslesen?
Das basiert auf KI-gestützter Kameratechnik von Myneral Labs und funktioniert grundsätzlich sehr gut, hat aber einige Versuche gebraucht. Anfangs konnten wir die Data-Matrix-Codes nichts einzeln extrahieren und nur Zeitspannen ausgeben. Die daraus resultierende Datenmenge war zu gross, um sie effizient zu verarbeiten. Schliesslich konnten wir die flaschenindividuellen Codes extrahieren und nach dem Lasern an Myneral übermitteln. Wenn 50.000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden, stehen nicht alle ideal zu den Kameras ausgerichtet. Aber die KI gleicht das, was die Kameras erfassen, mit den von uns übermittelten Codes ab und identifiziert so die einzelnen Flaschen. Wir reden hier also nicht nur von Technik, sondern auch von Datentransfers.
Ist die serialisierte Flasche exklusiv für Coca-Cola, oder gibt es weitere Kooperationen?
Uns liegen Anfragen aus mehreren Ländern vor. Es gibt Länder mit Mehrweg-Rücklaufquoten von lediglich 60 bis 70 Prozent. Die wollen wissen, wo ihre Flaschen aus dem System verschwinden.
Wasserflaschen sind wichtig. Für Medikamentenfläschchen scheint eine Serialisierung allerdings noch sinnvoller.
Nein. Das Mehrwegsystem ist auf Winzer ausgerichtet. Viele von ihnen füllen per Hand ab und verkaufen an Stammkunden aus ihrer Region, die die Flaschen auch wiederbringen. Die Investitionen für eine Serialisierung sind auch auf Abfüllerseite nicht gering, etwa für die Kameras. Ein System, das individuelle und Pool-Flaschen identifiziert, bräuchte zudem eine Clearingstelle. Das lohnt sich alles im Weingeschäft nicht. Grosse Abfüller wie die von Coca-Cola haben ihr eigenes Clearing, da ist das etwas anderes.
In Deutschland hat inzwischen jede Briefmarke einen Data-Matrix-Code, jetzt bekommen Zehntausende Wasserflaschen solche Codes. Ist der Datenraum dafür gross genug?
Für unsere Zwecke ist er faktisch unendlich.
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Person und Unternehmen
Erich Jaquemar ist Group Key Account Manager der Vetropack Group. Mit der digitalen Identität für Mehrwegflaschen war das Unternehmen für die Swiss Packaging Awards und den Österreichischen Staatspreis Smart Packaging in der Kategorie «Verpackung der Zukunft» nominiert. Den österreichischen Preis hat es auch gewonnen, allerdings mit der 0,75-Liter-Rheinweinflasche. Mit 350 Gramm Gewicht sei sie «die derzeit leichteste Rheinweinflasche Europas».

Erich Jaquemar, Vetropack. Fotocredit: Michael Schafranek
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Und Coca-Cola?
Wie Coca-Cola die serialisierten Flaschen von Vetropack für die Wassermarken «Apollinaris» und «Vio» nutzt, lesen Sie in einem Gastbeitrag im «Packreport».
Der Autor: Stefan Becker