Verpackungstrend
Wie sich globale Märkte auseinander entwickeln

Flexible Tiefziehverpackungen für Tiernahrung kombinieren minimalen Materialeinsatz mit maximaler Barrierewirkung. Der Trend zu Monomaterialien erhöht die Recyclingfähigkeit – eine zentrale Anforderung, so die McKinsey Studie „Sustainability In Packaging 2025". Bilder: UlrichStudios/Multivac
Während Wachstumsmärkte in Afrika und Asien mit 18 Prozent jährlich boomen, stagnieren gesättigte westliche Märkte. Die Zukunft gehört flexiblen Monomaterial-Verpackungen, die Nachhaltigkeit mit Convenience vereinen – doch die regionalen Unterschiede werden immer größer, erläutert Multivac in diesem Beitrag.
Innovative Monomaterial-Verpackungen gewinnen sowohl in aufstrebenden als auch gesättigten Märkten an Bedeutung. Dank ihrer Recyclingfähigkeit und Materialeffizienz sind sie für die Nachhaltigkeitsziele unverzichtbar geworden.
Lebensmittelsicherheit und Haltbarkeit sind der globalen McKinsey-Studie „Sustainability In Packaging 2025“ zufolge für Verbraucher nach wie vor die wichtigsten Verpackungseigenschaften. Als das wichtigste Merkmal für Nachhaltigkeit wiederum wird weltweit die Recyclingfähigkeit angesehen. Trotz einer Reihe globaler Gemeinsamkeiten variieren die Prioritäten und Vorlieben der Verbraucher im Ländervergleich; dies gilt für Design und Branding genauso wie für Material und Handling.
Tiernahrung und Fleischalternativen als Wachstumstreiber
Eine Analyse der Produkt- und Verpackungseinführungen für Lebensmittel und Tiernahrung in den vergangenen fünf Jahren, die Multivac mithilfe von Innova Market Insights erstellt hat, zeigt deutlich: Die Dynamik einzelner Produktkategorien unterscheidet sich erheblich. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 18,5 Prozent bei Tiernahrung und 8,4 Prozent bei Fleischersatzprodukten zeigen sich zwei Segmente als klare Wachstumstreiber. Diese Entwicklung ist kein Zufall: Beide Bereiche waren in den vergangenen Jahren gesellschaftliche Fokusthemen. Die wachsende Bedeutung von Haustieren führt zu höheren Qualitätsansprüchen der Halter an Tiernahrung, während der Trend zu pflanzenbasierter Ernährung den Markt für Fleischalternativen befeuert. Innerhalb der Produktkategorien für Lebensmittel zeigt Geflügel mit einem Plus von 6,4 Prozent das stärkste Wachstum.
Die neuen Imperative: Gesundheit und Convenience
Auch die Art und Weise, wie Lebensmittel positioniert werden, hat sich verändert. Die Verpackung ist längst mehr als nur Schutz für den Transport. Sie ist zum zentralen Kommunikations-Instrument geworden. Bei den Produkteinführungen der vergangenen fünf Jahre haben Co-Branding-Strategien um mehr als die Hälfte zugenommen, also Marketingansätze, bei denen zwei oder mehr eigenständige Marken gezielt bei der Vermarktung eines Produktes zusammenarbeiten. Dieses Konzept ist besonders beliebt im Snack-Segment und erfordert flexible Verpackungslösungen, die mehrere Markenidentitäten harmonisch vereinen. Ein weiterer Trend geht zu gesunden Produkten, die zum Beispiel proteinreich oder zuckerreduziert sind. Gleichzeitig gewinnen Convenience-Produkte an Bedeutung, angetrieben von der „To-Go“-Kultur als Resultat veränderter Arbeits- und Lebensgewohnheiten.
Wachstumsmärkte versus gesättigte Märkte
Die regionalen Unterschiede in der Verpackungsentwicklung spiegeln unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungsstufen wider. Afrika, der Nahe Osten und Australasien liegen mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 18 Prozent bei Produkt-Launches vorn. Diese Regionen erfahren eine zunehmende Urbanisierung, was zu einem steigenden Bedarf an verpackten Produkten führt.
Im Gegensatz dazu zeigen etablierte Märkte wie Westeuropa (0,45 Prozent) und Nordamerika (minus 0,77 Prozent) stagnierende oder sogar rückläufige Zahlen. Dies ist ein Zeichen der Marktsättigung und eines Wandels in der Verpackungsphilosophie. In diesen Märkten geht es weniger um Mengenwachstum als um Optimierung und Nachhaltigkeit.
Von Italien bis Indien: Länderspezifische Besonderheiten
Auf Länderebene zeigen sich interessante Unterschiede. Indien führt mit einer Wachstumsrate von 9,3 Prozent bei neuen Produkten, gefolgt von Italien (6,7 Prozent) und Großbritannien (4,8 Prozent). Die USA, Deutschland und Frankreich hingegen verzeichnen negative Werte; in Deutschland sind es zwei Prozent Rückgang. Die Gründe für diese Divergenz: Indien profitiert von einer wachsenden Mittelschicht und der zunehmenden Verbreitung moderner Einzelhandelsstrukturen. Italien und Großbritannien erleben eine wachsende Convenience-Kultur und eine starke Nachfrage nach Premium-Verpackungen. Zudem gibt es in Großbritannien einen Trend hin zu schlichten Verpackungen, oftmals transparent und ohne Druckbilder. Deutschland und Frankreich hingegen sind Vorreiter bei Nachhaltigkeitsinitiativen, die teilweise zu einer Reduktion von Verpackungen führen.
Flexible Verpackungen auf dem Vormarsch
Verpackungsarten wie flexible Tiefziehpackungen oder Beutelverpackungen werden beliebter. So verzeichnen flache und stehende Beutel (Pouches) mit knapp 50 Prozent beziehungsweise 84 Prozent Plus ein starkes Wachstum. Interessant ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsdebatte. Flexible Verpackungen benötigen deutlich weniger Material als starre und reduzieren das Transportgewicht erheblich. Sie vereinen damit viele Anforderungen, die moderne Verpackungen erfüllen müssen.
Materialtechnologie: Der Weg zum Monomaterial
Bei den Verpackungsmaterialien zeigt sich ein differenziertes Bild. Aluminium verzeichnet 7,3 Prozent Wachstum, getrieben vor allem durch den Tiernahrungs-Boom. LDPE-Kunststoffe wachsen mit 5,9 Prozent und spiegeln den Trend zu flexiblen Verpackungen und Monomaterialien wider. Letzteres ist besonders relevant: Die Industrie bewegt sich weg von komplexen Multilayer-Strukturen hin zu recyclingfähigen Monomateriallösungen. Dieser Trend wird durch die PPWR (Packaging & Packaging Waste Regulation) verstärkt, die in europäischen Ländern sowie in Ländern, die ihre Produkte in Europa vertreiben, ein großer Treiber ist hin zu recyclingfähigen Verpackungen, zum Einsatz von Rezyklat und zu einem reduzierten Materialverbrauch.
Nachhaltigkeit: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die Entwicklung bei nachhaltigen Verpackungskonzepten zeigt interessante Widersprüche. Während die Verwendung recycelter Materialien um 31,3 Prozent, die Kennzeichnung des CO2-Fußabdrucks um 27,7 Prozent und Materialeinsparungen um 25,8 Prozent wachsen, legen kompostierbare Verpackungen nur um drei Prozent zu. Die Verwendung biologisch abbaubarer Verpackungen entwickelt sich sogar rückläufig.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Einsatz von pflanzenbasierter Druckfarbe um mehr als die Hälfte zugenommen hat. Dies zeigt, dass Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht wird – und auch scheinbare Details wie Druckfarben in den Fokus rücken.
Aktuell existieren bei biologisch abbaubaren und kompostierbaren Materialien in der Praxis noch einige Herausforderungen, beispielsweise unzureichende Barriere-Eigenschaften, Probleme bei der Verarbeitbarkeit sowie Lücken in der Materialverfügbarkeit. Daher ist der Einsatz bei sensiblen Produkten noch schwierig.
Deshalb konzentriert sich die Branche auf herkömmliche, aber recycelte Materialien. Der Fokus liegt auf Recyclingfähigkeit, Materialreduktion und Transparenz über den CO2-Fußabdruck – ein pragmatischerer und letztlich effektiverer Ansatz, der durch das neue EU-Gesetz (PPWR) noch verstärkt wird. (pA)
Fazit: Massgeschneidert und regional
Die Verpackungsbranche navigiert durch ein komplexes Spannungsfeld aus Convenience, Nachhaltigkeit, Kosteneffizienz und regionalen Besonderheiten. Die Unterschiede zwischen Wachstumsmärkten in Asien und Afrika und gesättigten westlichen Märkten werden grösser. Während in Schwellenländern der Aufbau von Verpackungsinfrastrukturen im Vordergrund steht, konzentrieren sich entwickelte Märkte auf Optimierung und Kreisläufe. Die Zukunft gehört flexiblen, materialeffizienten Lösungen, die Funktionalität mit Nachhaltigkeit vereinen. Flexible Verpackungen und Monomaterialien werden weiter an Bedeutung gewinnen.

Bilder: GPT Image Editor / KI-generiert
Gleichzeitig wird die Verpackung als Kommunikationsmedium immer wichtiger – für Produkt- und Verbraucherinformationen, Nachhaltigkeitsstrategien und Markenerlebnisse. Für Verpackungshersteller bedeutet dies: Gefragt sind massgeschneiderte Konzepte, die regionale Besonderheiten berücksichtigen, Innovation mit ökologischer Verantwortung verbinden und Konsumentenbedürfnisse antizipieren. Die Branche steht vor grossen Herausforderungen – und die Weichen werden jetzt gestellt.