«Wir glauben an die Zukunft nachhaltiger Verpackungslösungen»
Die Perlen Industrieholding AG entstand im Frühjahr 2024 durch die Aufspaltung der ehemaligen CPH Chemie + Papier Holding AG (heute CPH Group AG). Im Zuge dieser strategischen Neuausrichtung wurden das Papiergeschäft der Perlen Papier AG sowie die Immobilien am Standort Perlen LU in die neue Holding überführt, die ihren operativen Betrieb am 25. Juni 2024 aufnahm. Perlen Papier ist in der ganzen Schweiz bekannt für die Herstellung von Papieren für den Rollenoffset (Heatset, Coldset, Digitaldruck) sowie für spezialisierte Magazinpapiere. Ausserdem ist das Unternehmen der grösste Altpapier-Recycler des Landes. Pack aktuell sprach mit Dr. Florian Geiger, CEO der Perlen Industrieholding AG und der Perlen Papier AG.

Dr. Florian Geiger Perlen Industrieholding AG
Wie entwickelte sich das Papiergeschäft in den letzten Jahren, wo stehen wir jetzt und wohin geht die Reise für die Papierproduktion?
Dr. Florian Geiger: Das Papiergeschäft hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Gerade beim grafischen Papier sehen wir einen strukturellen Rückgang, getrieben durch die fortschreitende Digitalisierung. Gleichzeitig bleiben die Anforderungen an Qualität, Effizienz und Kosten hoch. Heute ist derjenige erfolgreich, der seine Kapazitäten konsequent anpasst, Prozesse optimiert und sich klar am Kundenbedarf ausrichtet. Die Zukunft der Papierproduktion liegt aus unserer Sicht in einer stärkeren Fokussierung auf nach haltige, hochwertige Produkte und in der weiteren Integration in die Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig wird die Diversifikation – etwa in neue Anwendungen wie Verpackungslösungen – eine immer wichtigere Rolle spielen.

Perlen Papier wird die weltweit erste Produktionspartnerin der mehrfach ausgezeichneten Papierflaschen von Pulpex mit exklusiven Produktionsrechten in der Schweiz, Österreich, Italien sowie in Süddeutschland.
Warum will Perlen Papier nun zusätzlich in den Bereich Faserguss einsteigen?
Geiger: Wir glauben an die Zukunft nachhaltiger Verpackungslösungen. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Wertschöpfung ist die schonende Aufbereitung von Fasern aus Altpapier, Frischholz und Zellstoff für ihren optimalen Einsatz. Diese breite Faserbasis ermöglicht uns, je nach Anwendung, die geeignete Rohstoffkombination für den Faserguss zu nutzen, womit wir uns klar vom Wettbewerb differenzieren. Als Unternehmen sind wir damit in der Lage, den Ressourcenkreislauf Altpapier vollständig zu schliessen, also von der Sammlung bis zum fertigen Produkt. Diese Kombination aus geschlossener Kreislaufwirtschaft und umfassender Faserinfrastruktur verschafft uns eine starke Ausgangsposition. Erste Produkte befinden sich in der Testphase. Der Einstieg in den Faserguss ist ein weiterer strategischer Schritt hin zu einem diversifizierten Industrieunternehmen.
Faserguss war bis anhin nicht im Produktportfolio. Woher nimmt Perlen Papier das Know-how für die Herstellung von Faserguss und insbesondere die Werkzeuge? Haben Sie Spezialisten von anderen Unternehmen abgeworben?
Geiger: Wir sind seit über 150 Jahren Experten in der Verarbeitung von Fasern. Mit Faserguss erschliessen wir nun ein neues Geschäftsfeld, in dem wir unser über Jahrzehnte aufgebautes Know-how gezielt einsetzen und weiterentwickeln können. Dabei arbeiten wir eng mit spezialisierten Partnern zusammen, etwa in den Bereichen Beschichtung und Werkzeugentwicklung. Parallel dazu bauen wir gezielt Kompetenzen im Unternehmen auf und haben bereits begonnen, erste Mitarbeitende für das Geschäftsfeld Faserguss einzustellen. Daneben gehen wir auch exklusive Partnerschaften ein, wie für die Produktion von Papierflaschen. So wird die Perlen Papier AG die weltweit erste Produktionspartnerin von Pulpex, einem britischen Hersteller nachhaltiger Verpackungstechnologien. Die Partnerschaft umfasst die exklusiven Produktionsrechte für Papierflaschen auf Faserbasis in der Schweiz, Österreich, Italien sowie in Süddeutschland. Die innovative Technologie hinter den Papierflaschen wurde mehrfach ausgezeichnet und adressiert das wachsende Bedürfnis von Endkonsumentinnen und Endkonsumenten nach weniger Kunststoff und besser recycelbaren Verpackungslösungen.
Wie hoch schätzen Sie das Potenzial von Faserguss für dieses Jahr ein? Und für die kommenden fünf Jahre?
Geiger: Derzeit befinden wir uns im Hochlauf der Anlagen sowie in der Produktentwicklung und planen, noch in diesem Jahr mit der Produktion zu starten. In fünf bis zehn Jahren wird Faserguss eine wichtige Rolle im Verpackungsmarkt spielen. Die Nachfrage nach nachhaltigen, plastikfreien Lösungen steigt, und Faserguss verbindet Umweltschutz mit hoher Stabilität und flexibler Gestaltung. Er wird sich von einer Nischenlösung zu einer echten Mainstream-Alternative entwickeln, besonders für Lebensmittel, Elektronik und Premiumprodukte.
Interview von Dirk Schönrock