SVI
Joint Industry Group wird neu gegründet
Es tut der Branche gut, wenn sich alle Beteiligten auf einheitliche Linien für die Umsetzung von Vorschriften einigen. Mit dieser Idee ruft das SVI die Joint Industry Group wieder ins Leben. Los geht es im Sommer.
Die Joint Industry Group (JIG) kommt zurück. Von 2008 bis 2019 hatte es das informelle Gremium unter dem Dach des Schweizerischen Verpackungsinstituts (SVI) gegeben. «Dann begann die Covid-19-Pandemie, die Arbeit kam zum Erliegen, und wir haben den Faden nicht recht wiedergefunden», sagt SVI-Geschäftsführer Andreas Zopfi.

PPWR und Schweizer Recht in Einklang bringen
Jetzt sieht er die Zeit reif für eine Neugründung, um «alle Beteiligten in einen neuen Dialog zu bringen». Themen gibt es genug, von der PPWR bis zu Barrieren. «Zurzeit wird alles der europäischen PPWR untergeordnet, aber das wird nicht funktionieren», sagt Zopfi. «Wir müssen das mit dem Schweizer Recht in Einklang bringen.»
Hatte sich die vorige JIG vor allem auf Lebensmittelsicherheit konzentriert, soll es jetzt etwas allgemeiner um Verpackungssicherheit gehen, also zum Beispiel auch um Kosmetik und Pharmazie. Weniger allerdings um Rezyklate und Themen der Kreislaufwirtschaft, dafür gebe es andere Gremien.
Zweck und Ziel der neuen JIG sei es, innerhalb der Wertschöpfungskette die erforderliche Konformitätsarbeit zu leisten, vor allem Selbstkontrolle und Risikomanagement. «Alle in der Industrie haben dieselben Probleme, aber nicht alle dieselbe Lösung», sagt Thomas Gude, Unternehmensberater, Referent der SVI Academy und designierter Leiter der JIG. «Zudem kommt während der Schulungen des SVI von den Teilnehmern immer wieder die Frage nach einer Plattform für den Austausch.»
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Plattform für die Wertschöpfungskette
Diese Plattform soll die JIG wieder werden, für die gesamte Wertschöpfungskette: von den Herstellern der Verpackungs-Rohmaterialien bis zu den Anwendern in der Markenindustrie und im Handel.
Dass das gut funktioniert, hat der Leitfaden zur neuen Fassung der Schweizerischen Bedarfsgegenstände-Verordnung gezeigt. Das SVI hatte eine Adhoc Joint Industry Group aus Vertretern der Branche eingesetzt, um eine einheitliche Grundlage für die neuerdings notwendigen Konformitätserklärungen für Druckfarben auf Lebensmittelverpackungen zu erarbeiten. Ende Februar erschien das Papier (packAKTUELL 1/2026). «Wir haben es nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch veröffentlicht, weil die Bedeutung der Verordnung international ist», sagt Zopfi. Auch die neue JIG soll grundsätzlich Vertretern zum Beispiel aus Deutschland offenstehen.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat den Leitfaden als Interpretationshilfe für die Verordnung anerkannt. Und genau das ist das Ziel der neuen Plattform: Sie soll relativ allgemeine gesetzliche Vorgaben auslegen. «Gesetze müssen allgemein sein – wenn sie zu konkret werden, gibt es immer Unternehmen, die wirklich nur das erfüllen, was auf dem Papier steht», so Zopfi. «Wenn sich aber Vertreter aus allen Teilen der Branche auf ein Vorgehen einigen, können sich auch alle darauf berufen.»
Das SVI vergibt ausschliesslich Personenmitgliedschaften für die JIG – so wird sichergestellt, dass engagierte Mitglieder dabei bleiben können, wenn sie das Unternehmen wechseln. Die JIG steht zudem allen Interessierten offen, schon allein, weil Behörden und Labore typischerweise nicht Mitglied im SVI sind.
Kick-off am 23. Juni
Die Mitgliedschaft in der JIG kostet 360 Franken im Jahr, dafür erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit mitzugestalten und frühen Zugang zu allen Entwicklungen. Andreas Zopfi sieht das Mitgliederpotenzial bei etwa 50 Leuten. «Das klingt wenig», sagt er. «Aber das ist der Vorteil der Schweiz: Sie können mit wenigen Leuten viel bewirken.» Das Kick-off-Treffen ist für den 23. Juni vorgesehen.
Die bis 2019 existierende JIG hatte eine ganze Reihe von Leitfäden herausgebracht, die zum Teil noch Gültigkeit haben. «Die SVI-Checkliste für Konformitätserklärungen in der Lebensmittelsicherheit von 2012 gilt unverändert als internationaler Standard», sagt Zopfi. Auch die SVI-Guideline von 2015 zur Barrierewirksamkeit von Innenbeuteln ist im SVI-Online-Shop noch zu haben. So soll es weitergehen: «Rechtstexte werden von Juristen geschrieben», sagt Thomas Gude. «Wenn die Industrie Interpretationshilfen erarbeitet und die allgemein akzeptiert werden, dann haben alle gewonnen.»
Die nächsten SVI-Veranstaltungen
Fast alle auch für Nichtmitglieder offen. Angaben ohne Gewähr.
Online-Update zur PPWR: 26. Mai 2026, 15:00–18:00 Uhr, Referent: André Gierke (EPR Compact), Anmeldeschluss: 20. Mai 2026.
Kick-off-Veranstaltung der neuen Joint Industry Group: 23. Juni 2026, nur für Mitglieder der JIG.
Grundlagenseminar Verpackung: Start am 19. August 2026 (+ 8 weitere Kurstage) über die digitale Plattform Moodle, verschiedene Fachreferenten, Unternehmensbesichtigungen, begrenzte Teilnehmerzahl, freiwilliges Examen am 11. November 2026, Anmeldeschluss: 10. August 2026.
Einführungstag in das Verpackungswesen: 20. August 2026, 8:30–16:30 Uhr bei Vetropack in Bülach, Referent: Andreas Zopfi (SVI), begrenzte Teilnehmerzahl.
Vorbereitungslehrgang auf die eidgenössische höhere Fachprüfung zum/zur Packaging ManagerIn mit Eidgenössischem Diplom (prof. Master): Start am 22. August 2026, Hotel Olten sowie online, 3 Module, Exkursionen, Diplomarbeit, höhere Fachprüfung.
Intensivseminar Lebensmittelkontaktmaterialien: 26./27. Oktober 2026, Hotel Olten, Referent: Dr. Thomas Gude, begrenzte Teilnehmerzahl.
