Branchenumfrage

Tilmann Stein Präsident Schweizerischer Verband Metallverpackungen (SVM) mit Sitz in Ermatingen

Umsätze in 2025 stabil bis leicht rückläufig

«Das vergangene Jahr 2025 war ein anspruchsvolles Jahr für die Metallverpackungsproduzenten der Schweiz. In der Schweiz verzeichneten wir von 2024 auf 2025 eine Steigerung der Rohstoffpreise um rund 8 Prozent. Ursache dafür sind die weltweiten handelspolitischen Verwerfungen, vor allem im Handel mit den USA und den Anti-Dumping-Zöllen der EU für China. Leicht positiv auf die Rohstoffpreise hat sich allerdings der gestiegene Kurs des Frankens ausgewirkt, wobei die meisten unserer Verbandsmitglieder mittlerweile in Euro einkaufen und verkaufen, um die Schwankungen möglichst tief zu halten.

Die Umsätze der Verbandsmitglieder waren 2025 stabil bis leicht rückläufig. Allerdings sind die Zahlen ‹beschönigt› durch den Verkauf der Metallverpackungssparte von Hoffmann Neopac und der anschliessenden Schliessung des Standorts in Thun. Dies hat sich für die anderen Hersteller von Metallverpackungen in der Schweiz positiv ausgewirkt, weil sie einen Teil des Volumens akquirieren konnten. Insgesamt war der Effekt jedoch negativ, weil der Standort Schweiz enormes Know-how und Versorgungssicherheit verloren hat. Im Grunde war die Schliessung von Hoffmann Neopac in Thun die grösste Negativentwicklung unserer Branche im vergangenen Jahr. Sie wurde im ersten Quartal bekannt gegeben und Ende des dritten Quartals wurde die Produktion vollständig geschlossen. Heute produziert Hoffmann Neopac nur noch Kunststofftuben am Standort Oberdiessbach BE. Das Jahr 2026 hat leicht positiv mit einer Stabilisierung und Beruhigung der Rohstoffmärkte sowie einem Preisrückgang von rund 3,5 Prozent begonnen. Doch nun hat der Krieg in Nahost neue Volatilität in die Märkte gebracht. Zunächst hat sich dies positiv für unsere Branche ausgewirkt, da vor allem die Preise für Kunststoffgranulat massiv gestiegen sind. Dies könnte dazu führen, dass Metallverpackungen jenes Volumen zurückgewinnen, welches in den Corona-Jahren zu Kunststoffverpackungen und zu anderen Packstoffen abgewandert ist. Insofern sind wir vorsichtig optimistisch und die Unternehmen in der Schweiz sind positiv positioniert, sofern keine zusätzlichen handelspolitischen Hemmnisse auf uns zukommen. Allerdings könnten die Verwerfungen des Krieges sich auch noch in unserer Branche auswirken, falls die Auseinandersetzungen länger anhalten sollten. Die Frage der Energiekosten könnte auch für uns ein Thema werden, da auch Stahlöfen sehr viel Energie benötigen. So werden wir voraussichtlich in einer zweiten oder dritten Welle auch die Energiekosten der drei grossen Stahlerzeuger in der EU spüren. Die Schweiz hängt eng an der EU, da wir keinen inländischen Stahlerzeuger für unsere Rohware haben. Der Blick auf die Konjunktur in der Schweiz stimmt uns aber positiv.»

Interview von Dirk Schönrock

Riccardo Casanova Geschäftsführer von Kunststoff.swiss mit Sitz in Aarau

Angespannte Situation im Recycling

«Die Schweizer Kunststoffverpackungsbranche bewegt sich derzeit in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. Insgesamt erwarten wir für 2025 einen Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich. Besonders angespannt ist die Situation im Recyclingbereich: Der Wettbewerb mit günstigem Neumaterial erschwert es Kunststoffrecyclern, wirtschaftlich zu arbeiten. Aufgrund der tiefen Preise für Neumaterial bleibt die Nachfrage nach Recyclingkunststoffen derzeit verhalten. Zu dem belasten hohe Energiepreise die Wirtschaftlichkeit des Recyclings und der Verarbeiter zusätzlich.

Gleichzeitig treibt die Branche die Kreislaufwirtschaft weiter voran. Viele Unternehmen investieren in entsprechende Lösungen. So werden beispielsweise aus gebrauchten Kanistern neue Waschmittelflaschen hergestellt oder Verpackungen aus recyceltem Ocean-Bound-Material produziert. Mit der Branchenorganisation RecyPac wird derzeit ein schweizweit harmonisiertes System zur Sammlung und Verwertung von Kunststoffverpackungen und Getränkekartons aufgebaut.

Auch regulatorisch bleibt die Entwicklung dynamisch: Der Bundesrat hat 2025 eine neue Verpackungsverordnung in die Vernehmlassung geschickt, die unter anderem eine Recyclingquote von 55 Prozent für Kunststoffverpackungen vorsieht. Aus Sicht der Branche ist positiv, dass der Entwurf stark auf Kreislauflösungen setzt und auf pauschale Verbote verzichtet. Wenig hilfreich sind auch die aktuellen geopolitischen Verwerfungen. Die Lieferwege in den Nahen Osten sind teilweise unterbrochen. Das betrifft Rohstoffe und Vorprodukte für die Kunststoffherstellung, die üblicherweise über die Region transportiert werden. Zudem steigen die Preise für Energie und Rohstoffe massiv an. Experten erwarten einen anhaltenden Druck auf die Energiepreise infolge der geopolitischen Eskalation. Dies belastet die gesamte produzierende Industrie. Die erschwerten Schifffahrtsrouten im Persischen Golf führen darüber hinaus zu Ausweichlogistik, höheren Transportpreisen und längeren Lieferzeiten. Der Verband steht aktuell in engem Austausch mit den Mitgliedern und dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesver sorgung (BWL).»

Interview von Dirk Schönrock

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