Messen im Herbst
Auf ein Rendez-vous mit Nova Food

Die Messe Luzern. Bild: Messe Luzern
Der Herbst kommt mit einer bewährten und einer ganz neuen Messe für die Verpackungsbranche. Beiden gemeinsam: der Verzicht auf großen Aufwand.
Die «Interpack» im deutschen Düsseldorf hat viele Schweizer Aussteller und Besucher angezogen, richtete sich aber an ein internationales Publikum. Zwei Schweizer Messen dagegen werben in diesem Herbst in erster Linie um Schweizer Besucherinnen und Besucher: Die «Rendez-vous Verpackung» läuft in diesem Jahr unter «RVV Saferswil 26», die «Nova Food» in Luzern erlebt ihre Premiere.
Am 24. September setzt die «Rendez-vous Verpackung» ihr Tischmessenkonzept in Safenwil südöstlich von Basel fort. Direkt gegenüber vom Bahnhof, sechs Stunden Öffnungszeit, zwei Vorträge: Veranstalter Verpackungs-Events keeps it wie gewohnt simple. 20 Aussteller werden erwartet. Möglicherweise müssen sie sich eine Winzigkeit mehr anstrengen als während früherer Auflagen, denn der Veranstaltungsort – ein Automobil-Museum – hat einiges Ablenkungspotenzial.
«Die Entwicklungsreise moderner Verpackungsstrategien sowie aktuelle Forschungsarbeiten und Innovationen» – der erste Vortrag in Saferswil geht wissenschaftlich zur Sache, es spricht Selcuk Yildirim, Leiter des Zentrums für Lebensmittelherstellung und -verpackung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Der zweite Vortrag dagegen blickt über den Tellerrand: «Was haben ein Erlebnishotel und die Verpackungsbranche gemeinsam?», fragt Referentin Brigitte Trauffer, Direktorin der Trauffer Erlebniswelt und des Bretterhotels in Hofstetten bei Brienz. Sie redet «über mutige Entscheidungen in schwierigen Zeiten, über die Wirkung von Überraschungen und darüber, viel öfter einfach zu machen». (Meint sie die PPWR?) Dazu kommen Kurzvorträge der Aussteller.
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Einfach machen – das haben sich auch die Messe Luzern und Ruuf, eine Dienstleistungsagentur für Eventkonzepte, gedacht. Sie veranstalten am 26. und 27. Oktober die erste Auflage der «Nova Food». Die Messe soll «der neue nationale Treffpunkt für die Lebensmittelproduktion» werden, so der Claim auf der Website. Es gehe um Themen «von Rohstoffen über Produktionsanlagen und Verpackungstechnik bis zu Hygiene und Qualitätssicherung» – und Verpackung sei zentral. Die Pressemitteilung hebt Bizerba und Multivac als Aussteller aus dem Verpackungsumfeld hervor.
85 Aussteller seien mindestens dabei, die Halle war kurz vor Redaktionsschluss der Messe zufolge fast ausgebucht. Wie viele davon betreiben Verpackung? «Da die Verpackung sehr eng mit dem Produktionsprozess verbunden und überschneidend ist, splitten wir Ausstellergruppen nicht explizit auf», antwortet Messeleiter Christian Rudin. Der Fokus liegt jedenfalls eindeutig auf der Schweiz. Aufgrund von Erfahrungswerten ähnlicher Messen rechnen die Veranstalter mit etwa 1.800 Besuchern.
Auch in Luzern wird auf Aufwand verzichtet. «Kompakte Messekonzepte sind im Trend und entsprechen dem Zeitgeist», sagt Reis. Die Messe bietet in Halle 3 «vorgefertigte Stände in unterschiedlichen Grössen» zu Preisen von 2.750 CHF für vier Quadratmeter bis 12.950 CHF für 15 Quadratemeter, jeweils inklusive grundlegender Möblierung und verschiedenen Dienstleistungen.
Mit «Interpack»-Ausmaßen sollten Besucher daher nicht rechnen: «Für kleinere Maschinen oder Anlagenteile und Hingucker ist Platz vorhanden», sagt Rudin. «Es ist nicht die Idee, aufwändige Maschinen für zwei Tage nach Luzern zu transportieren. Der direkte Kontakt ist wichtig.»
Wer nachrechnet, merkt: Das «Exklusiv-Paket» bietet 3,7-mal mehr Platz als das «Starter-Paket», ist aber 4,7-mal so teuer. So soll der Messe zufolge aber gar nicht gerechnet werden: «Die Fläche ist ein Teil des Messepaketes. Erweiterte Kommunikationspakete, eine angepasste Standgestaltung und die Exklusivität bestimmen den Preis.»
Und womöglich das Programm. Es ist ist umfangreicher als das in Safenwil, aber auch hier gibt es zwei Punkte zu Verpackungsthemen: Am Montagmittag spricht Vetropack über Food Safety, am Dienstagnachmittag moderiert Andreas Zopfi vom Schweizerischen Verpackungsinstitut das «SVI-Verpackungs-Forum».
Programm soll es aber sowieso das ganze Jahr über geben. Die Messe Luzern verfolgt ein «Content-Live-Marketing-Konzept», das auch für die «Nova Food» zur Anwendung kommt: Wer ein Ticket kauft, erhält eine kostenlose Mitgliedschaft im Online-Angebot «Novafood 365“. Aussteller haben die Möglichkeit, dort zwischen den Messeterminen Inhalte zu veröffentlichen, der die Mitglieder dann per Newsletter erreicht.
Daraus folgt: Die «Nova Food» ist als jährliche Veranstaltung ausgelegt, die nächste Auflage soll also 2027 über die Luzerner Bühne gehen. Sind die 2026er Preise Einstiegspreise, die sich im nächsten Jahr ändern? «Die Preise der kommenden Austragung sind noch nicht definiert», antwortet Christian Rudin. «Es ist jedoch nicht unser erster Reflex, Preise zu erhöhen. Zuerst wollen wir eine erfolgreiche Erstdurchführung erleben.»
Sicher ist: Die Messe Luzern und Ruuf sehen genug Potenzial im Schweizer Markt, auch wenn die «Empack» von Easyfairs zu Beginn des Jahres einige thematische Überschneidungen aufweist und auch ein ähnliches aufwandarmes Konzept verfolgt. Die «Nova Food» adressiere ihre Besucher über den Kern der Wertschöpfung, der Produktion von Lebensmitteln, sagt Christian Rudin. «Wir sind überzeugt, dass es viele gute Messen braucht.»
Infobox: Die Eckdaten

Der RVV-Veranstaltungsorts Emil Frey Classic Cars. Bild: Joel Schweizer
«RVV Safenwil 26» („Rendez-vous Verpackung»), 24. September 2026, 10:00–16:00 Uhr, Emil Frey Classics, Safenwil, www.verpackungs-events.ch/rvv-safenwil26, Eintritt frei.
«Nova Food», 26./27. Oktober 2026, jeweils 10:00–17:00 Uhr, Halle 3 der Messe Luzern, www.novafood.swiss/de, Eintritt 20 CHF für beide Tage, Tickets über die Website.
Der Autor: Stefan Becker